«Die stetige Weiterentwicklung unserer Lösungen und damit die nachhaltige Förderung der Innovationskraft stehen bei UMB und mir im Fokus.»

Martin Gartmann, CSO - Leiter Business Development & Sales

Arbeitsplatz 4.0: IT-Strategien auf dem Prüfstand.

10.05.2017

Know-how Server-based Computing ist 20 Jahre alt. Noch nicht ganz so lange gibt es auch die Möglichkeit, Desktops mit Client-Betriebssystemen zentral zu beziehen. Aber was ist strategisch sinnvoll, und können damit die gestiegenen Infrastruktur-Anforderungen abgedeckt werden?

(Von Martin Gartmann, Leiter Business Development, UMB - Artikel Swiss IT Magazine, 5. Mai 2017)

Server-based Computing (SBC) ist seit über 20 Jahren im Einsatz und hat sich in der Praxis in vielen Szenarien bewährt. Auch wenn man meinen könnte, dass es nicht mehr zeitgemäss ist, mehrere User gleichzeitig auf einem gemeinsam genutzten Server arbeiten zu lassen, welcher die Ressourcen unter den angemeldeten Sitzungen verteilt und optimiert.Tatsächlich ist es aber trotz all den neuen technischen Möglichkeiten so, dass nach wie vor sehr viele IT-Arbeitsplätze mit den etwas eingeschränkten Funktionen einer Terminal Server Session bestens bedient sind und ihre täglichen Arbeiten effizient, ortsunabhängig und kostengünstig erledigen können. Es werden zwar von allen Seiten Innovationen, mehr Geschwindigkeit und neue Funktionen angepriesen, aber Fakt ist, dass sich die Kernapplikationen meistens über Jahre hinweg nicht oder nur geringfügig verändern und so auch die Anforderungen an die Nutzung dieselben bleiben. Hinzu kommt, dass viele IT-User in den Firmen nicht unbedingt stetige Veränderungen wünschen, sondern sicherstellen wollen, dass sie ihre Arbeiten wie gewohnt effizient und problemlos am Arbeitsplatz erledigen können.

Wie in jeder Umgebung gibt es auch beim SBC Anwender, die Anforderungen haben, die sich von denjenigen der Standard-Benutzer abheben. Oft geht es darum, dass für gewisse Arbeiten mehr Rechenleistung benötigt wird. Mit der neuesten Generation von Microsofts Windows Server 2016 und Xenapp 7.13 sind sehr viele Neuerungen integriert worden, die gerade im multimedialen wie auch grafischen Bereich markante Verbesserungen mit sich bringen. So ist es für den Anwender nicht mehr zu unterscheiden, ob sein Desktop nun ein Windows 10 Client oder ein gemeinsam genutzter Server 2016 Desktop ist. Um erhöhte grafische Anforderungen wie CAD, Photoshop oder ähnliches zufriedenstellend anbieten zu können, gibt es die Möglichkeit der Integration von GPUs (Graphical Process Units) im Virtualisierungsserver. Dabei übernehmen dedizierte Grafikkarten rechenintensive Operationen, was die Grafikleistung massiv erhöht und es erlaubt, Applikationen zu verwenden, welche im Normalfall über eine virtualisierte SBC-Umgebung nicht oder nur unbefriedigend laufen würden.

VDI, das grosse Opfer der Innovationen

Bedingt durch den technologischen Fortschritt ist im Bereich der Virtualisierung von Arbeitsplätzen aus dem Server-based Computing eine weitere Technologie hervorgegangen, die sich bislang aber noch nicht auf breiter Front etabliert hat: Die drei Buchstaben VDI stehen für Virtual Desktop Infrastructure, allgemein bekannt als Bereitstellung von virtuellen Client-Betriebssystemen über eine zentrale Virtualisierungsplattform, aktuell mit Microsoft Windows 10. Ursprünglich wurde die Technologie entwickelt, um die eingeschränkte SBC-Umgebung sinnvoll zu ergänzen. Den Benutzern, die nicht mit der gemeinsam genutzten SBC-Plattform arbeiten können, wird ein zentraler, virtueller Windows Client zur Verfügung gestellt. Dies kann aus Gründen erhöhter Anforderungen an die Performance erfolgen, weil bestimmte Applikationen oder lokale administrative Berechtigungen benötigt werden, oder wegen Lizenzvorgaben von Softwareherstellern.

Der Zugriff auf den Server geschieht bei allen VDI-Herstellern über ein eigenes Protokoll, welches lediglich ein Endgerät voraussetzt, das über dieses kommunizieren kann. Im Idealfall werden dafür Thin Clients eingesetzt, um die Kosten der Anschaffung und des Unterhaltes möglichst gering zu halten. Sind die Hauptgründe der VDI-Integration Flexibilität und die Notwendigkeit der individuellen Ausgestaltung der virtualisierten Desktops, ist zwar der zentrale Ansatz erfüllt, allerdings sind damit die administrativen Probleme noch längst nicht gelöst. Wird dem Benutzer eine schreibgeschützte, vordefinierte VDI mit Windows 10 bereitgestellt, braucht diese per se rund sechsmal mehr Arbeitsspeicher als ein in der SBC-Um-gebung verwalteter Desktop, der Benutzer ist aber genauso eingeschränkt.

Daraus ergeben sich weder für die IT noch für die Nutzer irgendwelche Vorteile. Sieht das Konzept darüber hinaus vor, den VDI-Benutzern eine sogenannte personal vDisk bereitzustellen, die es erlaubt, alle individuellen Installationen auf der persönlichen VDI permanent zu speichern, werden die Komplexität und der administrative Aufwand um ein Vielfaches erhöht. Das mag für ein paar wenige Szenarien wie die Einbindung von dezentralen oder externen Entwicklern, die Bereitstellung von Schulungsumgebungen oder Testinstallationen sinnvoll sein. Will man ein solches Konzept aber auf alle Mitarbeiter ausdehnen, erscheint es nur bedingt realisierbar zu sein. Wohin also geht die Reise?

Mobilität, neu definiert

Gerade auf dem Gebiet der mobilen IT-Arbeitsplätze ist in den letzten Jahren viel Neues entstanden, unter anderem auch ein Umdenken der IT-Verantwortlichen und der Anwender. Mobilität bedeutet nicht, mit einem fünf Zoll grossen Mobiltelefon eine Excel-Tabelle zu öffnen oder geschäftliche E-Mails zu beantworten. Es ist auch nicht die Integration von technisch eingeschränkten Tablets. Mobilität ist dann zeitgemäss, wenn sie uneingeschränktes, effizientes mobiles Arbeiten erlaubt und einen sicheren Zugriff gewährleistet, der möglichst immer verfügbar ist und im Idealfall über einen transparenten VPN-Tunnel erfolgt. Kann das Endgerät sowohl mobil wie auch stationär über eine Dockingstation mit externen Monitoren und Peripherie eingesetzt werden, ist eine optimale Integration von Mobilität gelungen.

Die Anforderungen an ein mobiles Gerät haben sich geändert. Heute soll es leicht sein, durch einen nicht zu grossen, aber hochwertigen Bildschirm bestechen, es soll auf unterschiedlichste Arten verwendet werden können – sei es als normalen Laptop, als Tablet oder als Schreibunterlage (Convertible) – und im Idealfall über einen im Gehäuse integrierten elektronischen Stift verfügen. Zur Verbindung mit einem Netzwerk sollte es ausserdem mit LAN, WLAN, mobile Hubs oder sogar einer SIM-Karte ausgerüstet und somit «always on» sein. Sollte es dennoch passieren, dass das Gerät ohne Netzwerkverbindung auskommen muss, dann sollte es ohne Weiteres im Offline-Modus bedient werden können. Dabei können Dateien auf offline synchronisierten Laufwerken wie gewohnt bearbeitet werden. Veränderungen werden nach erneutem Verbinden über das Netzwerk zurück synchronisiert. So bleiben die Daten gesichert und zentral gespeichert.

Verschiedene Wege zum Arbeitsplatz 4.0

Ein Vergleich der oben vorgestellten Technologien zur Arbeitsplatzbereitstellung liefert gleich mehrere wichtige Erkenntnisse. Durch viele Innovationen und Möglichkeiten im Bereich des Server-based Computing kann es nach wie vor sinnvoll sein, zuvor speziell behandelte Applikationen oder Benutzergruppen über SBC anzubinden und die gestellten Anforderungen zu erfüllen. Im Idealfall erfolgt dies zusammen mit dem Ersatz des lokalen Arbeitsplatzrechners durch einen Thin Client. Dies spart Kosten bei der Beschaffung und im Betrieb der Hardware. Für diejenigen Mitarbeiter, die mobil arbeiten müssen oder wollen, werden Convertibles bereitgestellt, welche die Anforderungen an ein modernes mobiles Gerät erfüllen. Dann gibt es noch die Benutzer, welche erhöhte Hardware-Anforderungen haben. Je nach Anforderung kann diese mit einem stärkeren Convertible oder aber wie bis anhin mit Spezial-Hardware abgedeckt werden. Wann aber kommt eine VDI- oder DaaS-Lösung zum Einsatz? Stand heute ist eine Virtual-Desktop-Infrastructure-Lösung weder intern noch über einen Cloud-Dienstanbieter sehr attraktiv. Die Gründe dafür liegen vor allem in den sehr hohen Hardware-Anforderungen an die Server und den damit verbundenen, signifikanten Kosten, wobei Software-Lizenzgebühren und die relativ hohen Kosten für die Übertragung der Daten weitere Kostentreiber sind. Dennoch wird die stetige Weiterentwicklung der Cloud-Dienste mit der Bereitstellung von Daten und virtualisierten Applikationen oder Betriebssystemen über kurz oder lang eine Veränderung der Client-Landschaft mit sich bringen. Aber nicht heute und ganz sicher noch nicht morgen, und ganz bestimmt auch nicht mit den heute bekannten und eingesetzten Technologien.

DER AUTOR

Martin Gartmann verantwortet als Leiter Business Development bei UMB die Weiterentwicklung der strategischen Fokusthemen, insbesondere das Sourcing- und Cloud-Portfolio mit Fokus auf die Verbindung von Technologie und Business-Strategie in Kombination mit digitaler Transformation. Martin Gartmann hat einen Engineering- und Consulting-Background, ist Mitglied des Führungs-Boards und seit über 15 Jahren bei UMB.