Zehn Jahre BPMN 2.0: Ein Diagramm sagt mehr als 1000 Worte

Seit zehn Jahren gibt es BPMN 2.0, und heute ist dieser Modellierungsstandard aus der Digitalisierung nicht mehr wegzudenken[i].) BPMN 2.0 hat sich als Lingua Francafür die Modellierung von Geschäftsprozessen durchgesetzt und den Siegeszug in der Automatisierung in sämtlichen Branchen angetreten. Es gibt heute kaum noch einen Kundeneröffnungsprozess bei einer Bank oder Versicherung, der nicht mit BPMN abgebildet ist.

 

BPMN steht für Business Process Model and Notation (Geschäftsprozessmodell und – notation).

Dieser De-facto-Darstellungsstandard für Geschäftsprozessdiagramme wird von Anwendern, die Geschäftsprozesse planen, verwalten und realisieren, eingesetzt. Er muss so präzis sein, dass BPMN-Diagramme in Software-Prozesskomponenten übersetzt werden können. Mit dem BPMN-Standard können interne Geschäftsabläufe durch grafische Darstellungen verstanden und kommuniziert werden. BPMN stellt alle Schritte eines Geschäftsprozesses dar. Der Standard wurde speziell dafür entwickelt, die Abfolge von Prozessen und die Nachrichten zu koordinieren, die zwischen verschiedenen Prozessteilnehmern in einem zusammenhängenden Satz von Aktivitäten fliessen. BPMN ist auf einem hohen Niveau für Geschäftsanwender und auf einem tieferen Niveau für Prozessimplementierer ausgerichtet. Die Geschäftsanwender sollten in der Lage sein, ein BPMN-Geschäftsprozessdiagramm zu lesen und zu verstehen. Der Prozessimplementierer sollte in der Lage sein, einem Geschäftsprozessdiagramm weitere Details hinzuzufügen, um den Prozess in einer physischen Implementierung darzustellen[i].

 

Bessere Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und IT

Den BPMN-Standard in seiner ursprünglichen Fassung gibt es seit 2001; er wurde damals von Stephen White vorgestellt. Nach dem Motto “ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ sollten die Vorteile der grafischen Visualisierung von Prozessabläufen für die Kommunikation und Optimierung von Geschäftsprozessen eingesetzt werden.

Damals wurden allerdings selber entwickelte Workflow-Engines oder Standards wie BPEL (Business Process Execution Language) eingesetzt. Dazu wurde das fachliche BPMN-Modell dann in ein technisch ausführbares BPEL-Modell übersetzt. Das war kompliziert. Da das aus der Übersetzung resultierende BPEL-Prozessmodell häufig komplett anders und kompliziert aussah, war es für den Fachbereich nicht mehr verständlich und nachvollziehbar. Eine iterative Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und IT war so nur schwer möglich.

BPMN Version 2.0 löste dieses Problem, so dass Prozesse direkt, also ohne zusätzliche Übersetzungen in BPEL, ausgeführt werden können. Eine weitere signifikante Verbesserung: Es wurde definiert, in welchem Format die Prozessmodelle abgespeichert werden müssen, so dass sie mit verschiedenen Modellierungswerkzeugen von unterschiedlichen Herstellern bearbeitet werden können und kompatibel sind.

 

Jedes Element im Diagramm ist klar definiert

Die direkte Ausführung eines BPMN-Prozessmodells kann man sich als eine rollende Kugel vorstellen, die sich vom Start bis zum Ende durch ein Prozessdiagramm bewegt, dem jeweiligen Pfad mit entsprechende Abzweigungen folgt und die verschiedenen Aufgaben für jeden Schritt entweder automatisch erledigt oder einem Menschen diese Aufgabe zuweist. Zu Beginn erschien das etwas ungewohnt, gerade auch für den Fachbereich, da plötzlich jedes BPMN-Element im Diagramm eine genau definierte Bedeutung aufwies[ii].

Die Einsatzmöglichkeiten von BPMN 2.0 sind auch wissenschaftlich bereits untersucht worden. Sämtliche Anforderungen an die Prozessautomatisierung - sogenannten Workflow Patterns - sind mit BPMN 2.0 abbildbar. Jedes Szenario lässt sich mit BPMN 2.0 umsetzen. Da im gesamten Lebenszyklus, von der Erhebung der Prozessanforderungen, über die Implementierung, bis hin zur praktischen Anwendung der Prozesse, die gleiche BPMN-2.0-Prozessdarstellung zum Einsatz kommt, können alle Beteiligten sich verständigen, Ideen einbringen und somit den Prozess kontinuierlich verbessern.

 

Mehr Effizienz, Qualität und Transparenz

BPMN 2.0 bringt neben grossen Effizienzsteigerungen und Qualitätsverbesserungen vor allem auch Transparenz, die zu jeder Zeit ersichtlich macht, wo ein Prozess steht. Auch eine Auswertung von historischen Prozessen und datenbasierte Prozessverbesserungen sind möglich. Für die Ausführung der BPMN Prozesse wird, wie bereits erwähnt, eine Workflow-Engine benötigt. Diese übernimmt vier elementare Aufgaben: Die Steuerung des Sequenzflusses, die Orchestrierung von Systemaufrufen (die sogenannten Service-Tasks) und die Orchestrierung von menschlichen Interaktionen (die sogenannten User-Tasks), sowie das Reagieren auf Ereignisse

Diese Grundfunktionen von Grund auf zu entwickeln ist anspruchsvoll und teuer. Daher empfiehlt es sich, eine der bereits existierenden kommerziellen oder Open Source BPMN 2.0 Workflow Engines zu verwenden.

 

Auch UMB setzt BPMN 2.0 intern ein - unter anderem für unseren Innovationsprozess, unser internes Kontrollsystem, die Eröffnung und Mutation von Kundendaten und den automatischen Abgleich von Stammdaten in unseren Kernsystemen.

Geschäftsprozesse zu modellieren und zu automatisieren bringt viele Vorteile. Dafür gibt es   eine ganze Reihe guter Modellierungswerkzeuge. Eines davon ist der Open Source Camunda Modeler[iii].

Wenn Sie mehr über Prozessautomatisierung oder BPMN 2.0 erfahren möchten kontaktieren Sie uns.