Digitalisierung im Gesundheitswesen: Mehr Zeit für Menschen statt für Systeme.
Spitäler und Pflegeinstitutionen stehen unter enormem Druck: Die Zahl der über 80-Jährigen verdoppelt sich bis 2040, gleichzeitig fehlt es an Fachkräften. Digitale Kommunikation und intelligente Assistenz sind keine Zukunftsmusik – sie sind die Antwort auf eine reale Engpasssituation. Im UMB IT Expert Talk sprechen Peter und Reto über den Alltag in Spital und Langzeitpflege und zeigen, wo Technologie echten Mehrwert schafft.
#Alarming #Healthcare
Das ist eine automatische Transkription unseres Podcasts. Sie finden ganz unten den Link zum Podcast mit Peter Plank und Reto Rüegsegger.
Informationsflut statt Informationsmangel
Das grösste Kommunikationsproblem in Spitälern ist nicht der Mangel an Informationen – sondern zu viele Informationen ohne klare Struktur, Priorität und Kontext. Pflegefachpersonen sind gleichzeitig Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte, Transportdienste, Therapie, Technik und Reinigung. Dazu kommen unzählige Alarme. Gute Kommunikation muss filtern, ordnen und entlasten – nicht zusätzlich belasten.
In der Langzeitpflege sieht der Alltag anders aus, aber die Herausforderung ist dieselbe: Es braucht Struktur und zwischenmenschliche Wärme gleichzeitig. Der Tag in einem Pflegeheim ist geprägt von Gemeinschaft, Aktivitäten und individueller Betreuung. Digitale Werkzeuge müssen sich diesem Rhythmus anpassen – nicht umgekehrt.
Vier Anforderungen an moderne Kommunikation
Aus der Praxis in Spitälern und Pflegeinstitutionen lassen sich vier zentrale Anforderungen ableiten:
Relevanz: Nicht jeder Alarm geht an jede Person. Ein Herzalarm geht an Pflege und Arzt, ein Serviceauftrag an den technischen Dienst, ein Transportauftrag an den Transportdienst. Diese gezielte Trennung reduziert Stress massiv.
Geschwindigkeit: Im Spital zählen Minuten. Kommunikation muss zuverlässig funktionieren – ohne Latenz und ohne Abbruch.
Transparenz: Teams müssen sehen können, wer reagiert hat, was noch offen ist und wo sich ein Rückstand bildet.
Integration: Telefon, Apps, Rufanlagen und Alarmsysteme dürfen nicht als Insellösungen funktionieren. Der Informationsfluss muss über eine gemeinsame Oberfläche laufen.
Praxisbeispiele: Was moderne Lösungen heute leisten
Stellen Sie sich Frau Meier nach einer Hüftoperation vor: Auf ihrem Patienten-Terminal sieht sie ihren Tagesplan, weiss, wann das nächste Medikament kommt, hat ihren Physiotherapie-Termin im Blick und kann bei Hunger den Menüplan für die ganze Woche einsehen. Sie fühlt sich sicher und informiert – und ruft die Pflege nur, wenn es wirklich nötig ist. Das entlastet beide Seiten.
Ein anderes Beispiel: Herr Alvarez im Notfall spricht kein Deutsch. Sein Terminal zeigt Symbole für Schmerzen, Atemnot, Durst und Toilette. Die Pflege sieht sofort, was er braucht. Das spart Zeit und reduziert Missverständnisse – eine enorme Entlastung für beide Seiten.
Auch in der Langzeitpflege eröffnen sich neue Möglichkeiten: Videotelefonie mit Angehörigen, pflegespezifische Alarmsysteme und Unterstützung bei der Medikation. Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz: Es geht um Sicherheit, nicht um Überwachung. Bewohnerinnen und Bewohner dürfen sich nicht kontrolliert fühlen, sondern sollen wissen, dass Hilfe da ist, wenn sie sie brauchen.
IoT und Lokalisierung: Versteckte Zeitfresser eliminieren
Ein Ultraschallgerät, das 20 Minuten lang gesucht wird, obwohl es im Raum nebenan ungenutzt steht – das ist Alltag in vielen Institutionen. Intelligentes Tracking von medizinischen Geräten bringt sofort spürbare Entlastung. Die eingesparte Zeit fliesst direkt in die Betreuung von Patientinnen und Bewohnerinnen.
In der Langzeitpflege bieten IoT und Lokalisierung zusätzlichen Nutzen: Sie unterstützen die Bewegungsfreiheit von sturzgefährdeten oder demenzbetroffenen Personen, ohne sie einzuschränken. Clevere Lösungen ermöglichen individuelle Bewegungsprofile – eine Person darf ihre gewohnte Runde drehen, aber bei ungewöhnlichen Abweichungen wird die Pflege informiert.
Datenschutz: Kein Luxusthema, sondern Pflicht
Im Gesundheitswesen ist der Datenschutz besonders komplex. In Spitälern greifen viele Berufsgruppen auf Daten zu, und es herrscht praktisch andauernd Zeitdruck. Das erfordert Single Sign-On, automatische Sitzungs-Timeouts und regelmässige Schulungen.
In der Schweiz kommt hinzu, dass jeder Kanton eigene Datenschutzbestimmungen hat. Öffentliche Institutionen unterliegen oft strengeren Regeln als private. Entscheidend ist, dass Patientendaten verschlüsselt in einer Cloud oder einem Rechenzentrum in der Schweiz oder Europa gespeichert werden. Und ganz zentral: Sicherheitsmassnahmen dürfen den Arbeitsfluss nicht stören – denn was stört, wird umgangen.
Blick in die Zukunft: KI und Robotik als Entlastung
In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird sich im Gesundheitswesen viel verändern. Pflegeinstitutionen werden sich zunehmend auf Demenz, Palliativpflege und komplexe Krankheitsbilder spezialisieren. Technologie wird dabei eine entscheidende Rolle spielen: Transportroboter übernehmen die Verteilung von Essen und Material, Heberoboter unterstützen bei der Mobilisierung, Reinigungsroboter entlasten das Servicepersonal. Sprachassistenten ermöglichen es Bewohnerinnen und Bewohnern, Licht, Fernseher oder Storen selbständig zu bedienen – oder sogar einen Notruf abzusetzen.
Pflegefachpersonen werden ihre Dokumentation künftig komplett per Sprache erledigen, idealerweise in ihrer Muttersprache. KI-Assistenten unterstützen im Hintergrund: bei der Medikamenten-Information, der Dienstplanung oder der Materialbestellung. Wichtig dabei: KI entscheidet nicht, sondern hilft beim Sortieren und Priorisieren. Die Fachpersonen behalten die Kontrolle – aber auf einer klareren, ruhigeren Informationsbasis.
Was jetzt zählt: Drei Empfehlungen aus der Praxis
- Infrastruktur prüfen: Viele Institutionen haben gute Ideen, aber das WLAN ist veraltet, das Netzwerk nicht fähig, neue Geräte aufzunehmen. Ohne stabile Infrastruktur funktioniert keine digitale Kommunikation.
- Pflegefachpersonen einbeziehen: Sie wissen am besten, was funktioniert. Wenn neue Lösungen an der Praxis vorbei gehen, werden sie nicht genutzt. Beteiligung von Anfang an sorgt dafür, dass Digitalisierung als Vereinfachung erlebt wird – nicht als Zusatzbelastung.
- Alarmflut reduzieren, Daten sichtbar machen, Prozesse vernetzen: Nicht einfach ein neues System einführen, sondern bestehende Abläufe verbessern. Das Spital oder die Pflegeinstitution der Zukunft ist nicht die mit der meisten Technologie, sondern die mit der klarsten Kommunikation.
Digitalisierung im Gesundheitswesen ist kein Technologieprojekt – es ist ein Zeitprojekt. Creating Time: mehr Zeit für Gespräche, für Qualität und für Zuwendung.
Den ganzen Podcast hören: UMB IT Expert Talk auf Spotify
Mehr erfahren: Wie UMB Spitäler und Pflegeinstitutionen bei der digitalen Kommunikation unterstützt: umb.ch/solutions/communication-champ



