Der KI-Goldrausch und die Krise im Nahen Osten treiben die Hardware-Preise in die Höhe.

Die weltweite Entwicklung und Integration von künstlicher Intelligenz steigert die Nachfrage nach IT-Hardware und verursacht weltweite Engpässe. Grosse Cloud-Anbieter und Hyperscale-Cloud-Betreiber investieren massiv in Rechenzentren, was Preise und Lieferzeiten für Komponenten wie Speicher und Prozessoren in die Höhe treibt. Dazu trägt aktuell auch die Krise im Nahen Osten bei. Auch in der Schweiz spüren Unternehmen die Auswirkungen. Mit vorausschauender Planung lassen sich die Risiken aber minimieren.

  #IT-Strategie  
14.04.2026
Noam Suisa, Senior Strategic Partner & Alliance Manager
Noam Suisa
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noam.suisa@umb.ch

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 13. April 2026 aufgrund der neuen Lage aktualisiert.

Der KI-Superzyklus ist die neueste grosse Technologiewelle, die gegenwärtig auf fast alle Branchen, Dienstleistungen und Geräte überschwappt. Da sich KI rasant von spezifischen Anwendungsbereichen zu immersiven und autonomen Echtzeit-Systemen entwickelt, entstehen neue Anforderungen mit enormem Hardware-Bedarf. Hyperscaler wie Microsoft, Amazon, Google und Meta geben für ihre KI-Infrastrukturen Milliarden aus, um Modelle wie GPT oder fortschrittliche neuronale Netze zu trainieren und zu betreiben. Für dieses Jahr planen sie zusammen rund 700 Milliarden US-Dollar für KI-Infrastruktur zu investieren. 2024 beliefen sich die Ausgaben für neue Data-Center auf 250 bis 290 Milliarden US-Dollar, 2025 betrug das Wachstum nochmals mindestens 60 Prozent. Auch dieses Jahr wird sich der massive Investitionsboom in Hardware und Infrastruktur also fortsetzen[i]: Halbleiter, Fertigungsanlagen und Stromversorger stehen im Zentrum.
 


Globale Lieferketten unter Druck, auch im Nahen Osten


Die Investitionen konzentrieren sich auf energieintensive Systeme, die enorme Mengen an Rechenleistung erfordern. Hersteller wie Nvidia, AMD und Intel priorisieren KI-spezifische Komponenten wie GPUs und High-Bandwidth-Memory (HBM) und schränken die Produktion konventioneller Hardware ein. Globale Lieferketten geraten dadurch unter Druck. 

Die Verschiebung zu physischer Hardware macht KI so systemrelevant wie Stromnetze oder Halbleiter. Für Unternehmen bringt diese Entwicklung höhere Kosten für Hardware-Beschaffungen und längere Lieferzeiten, insbesondere bei server- und storage-intensiven Systemen.
Zusätzlich verschärft der seit März andauernde Konflikt im Nahen Osten die Lage: Steigende Öl- und Energiepreise sowie Störungen bei kritischen Materialien wie Helium und Brom (wichtig für die Chip-Produktion) treiben die Kosten weiter nach oben und verlängern Lieferzeiten zusätzlich. Katar, das ein Drittel des weltweiten Heliums produziert, musste die Produktion nach Angriffen auf Gas-Anlagen im März vorläufig einstellen. Da Israel und Jordanien zusammen einen massiven Anteil des Brom-Weltmarktes halten, haben die Spannungen auch hier zu Lieferengpässen geführt[ii]

 

Preissteigerungen und Engpässe

Besonders hart trifft der KI-Boom Komponenten wie Arbeitsspeicher (RAM/DRAM), Prozessoren (CPUs), Speichersysteme (SSD/NAND) und Netzwerkkomponenten (NICs). DRAM- und NAND-Preise sind bereits massiv gestiegen; allein im ersten Quartal 2026 lagen die Quartalszuwächse bei DRAM bei 90–95 Prozent und bei NAND bei 55–60 Prozent. Analysten erwarten für das zweite Quartal weitere Anstiege von 58–63 Prozent bei konventionellem DRAM und 70–75 Prozent bei NAND Flash. Ein 32-GB-DDR4-Kit, das 2025 noch für 72 US-Dollar erhältlich war, kostet heute deutlich über 260 US-Dollar. SSD-Preise haben sich mehr als verdreifacht; ein 30-TB-Enterprise-SSD, der 2025 noch gut 3’000 US-Dollar kostete, schlägt heute mit rund 11’000 US-Dollar zu Buche. Der Preisanstieg für Speicher sei beispiellos, sagte Mike Howard, Analyst beim Forschungsunternehmen TechInsights gegenüber dem Wall Street Journal.



PC, Laptops und Smartphones werden teurer

Bei CPUs und Netzwerkkarten treten vergleichbare Engpässe auf, da KI-Workloads hohe Bandbreiten erfordern. TrendForce warnt aufgrund der KI-Nachfrage vor «scharfen Preisanstiegen». Kurzfristige Bestellungen sind besonders betroffen, da Hyperscaler Vorrang haben. Lieferzeiten schwanken je nach Hersteller. Die Knappheit könnte bis 2027 anhalten, da die Industrie ihre Inventare auf ein Polster von wenigen Wochen reduziert hat. Für Endkunden bedeutet das teurere PC, Laptops und Smartphones[iv]. Hersteller wie Asus, Dell, HP Inc. und Lenovo haben bereits Preisanpassungen angekündigt. Auch Apple-Chef Tim Cook äusserte sich zu dieser Entwicklung in einer Telefonkonferenz zu den aktuellen Geschäftszahlen und erklärte, Apple sehe sich mit Engpässen bei der Chipversorgung konfrontiert. Aktuell belasten die gestiegenen Energiepreise infolge des Nahost-Konflikts die Produktionskosten weiter.

 

Schweizer Perspektive: Chancen in der Krise


In der Schweiz, wo Innovation und Präzision im Vordergrund stehen, bietet der KI-Superzyklus sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Die Schweiz ist spezialisiert auf hochpräzise KI-Anwendungen in Schlüsselbereichen wie Medizintechnik, Finanztechnologie und Umwelttechnologie. Eine Studie von Google und digitalswitzerland prognostiziert, dass KI bis 2034 ein jährliches Wertschöpfungspotenzial von bis zu 15 Milliarden Franken entfalten könnte, vor allem durch Effizienzsteigerungen in Forschung und Entwicklung[v]. Aktuell spürt allerdings auch der Schweizer IT-Markt die globalen Engpässe: Unternehmen wie Banken und Pharmafirmen kämpfen mit steigenden Hardware-Kosten und Lieferverzögerungen. Schweizer Data-Center-Betreiber investieren in energieeffiziente Lösungen, da der Strombedarf für KI-Rechenzentren die Netze belastet[vi]. Ausserdem erhöhen auch die jüngsten Energiepreissteigerungen durch den Nahost-Konflikt den Druck zusätzlich.

 

Vorausschauend handeln für stabile Preise und Termine

Um die negativen Auswirkungen des KI-Superzyklus abzumildern, raten wir deshalb zu proaktiven Schritten (siehe Kasten: Was tun?) Planen Sie die Beschaffung von IT-Hardware frühzeitig und setzen Sie Ihre Pläne entsprechend der Bedarfssituation zeitnah um. 

Kontaktieren Sie UMB, um Ihren kurz- und mittelfristigen Beschaffungsbedarf zu planen und gemeinsam mit uns eine Strategie und Lösungen zu definieren.

Was tun?

Schnell handeln: Einige Hersteller verkürzen die Gültigkeit ihrer Angebote von 30 auf nur 14 Tage – bestellen Sie deshalb rasch.
Lange Lieferzeiten einplanen: Bei gewissen Komponenten können sich die Lieferfristen von acht auf bis zu 50 Wochen verlängern.
Beschaffungen nicht aufschieben: Die Krise und die Speicherknappheit könnten noch bis 2030 andauern - Aufschieben ist riskant. 
Strategie und Lifecycle neu aufsetzen: Erstellen Sie einen Business Case für den gesamten Lifecycle. Mit UMB Cloud wechseln Sie vom klassischen Capex- zum flexiblen Opex-Service-Modell. Setzen Sie sich mit uns zusammen.

IT-Budgetierung 2026 überdenken: 

  • Budgetieren Sie für Volatilität, nicht für Stabilität. 
  • Bauen Sie 15–25 Prozent Kostenspuffer für Server-, Storage- und speicherintensive Projekte ein. 
  • Kalkulieren Sie mit dem Lieferpreis – nicht mit dem Angebotspreis. 
  • Verkürzen Sie Entscheidungswege und passen Sie interne Freigaben an die kurzen Angebotsfenster an. 

Sichern Sie Preise frühzeitig und nehmen Sie bei Bedarf die Lieferung vor dem eigentlichen Einsatz in Kauf (Lagerhaltung ist günstiger als später höhere Preise oder gar keine Verfügbarkeit).